ziviler Ungehorsam
Definition
• eine Art des öffentlichen Protests in Form eines aktiven, gewaltfreien Verstoßes gegen bestimmte Gesetze, Verordnungen, Anordnungen oder dergleichen einer staatlichen Autorität, weil sie als moralisch falsch, nachteilig oder dergleichen ansehen|angesehen werden
Herkunft
Es handelt sich um eine seit der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts bezeugte Lehnübersetzung des englischen Begriffs
civil disobedience.[ | Literaturnachweis: Carstensen: Anglizismen-Wörterbuch, Stichwort »ziviler Ungehorsam«, Seite 1746.] Dieser wurde von dem amerikanischen Schriftsteller und Philosophen w:Henry David Thoreau|Herny David Thoreau in seiner 1849 unter dem Titel
w:Über die Pflicht zum Ungehorsam gegen den Staat|The Resistance to Civil Government veröffentlichten essayistischen Abhandlung geprägt, die in späteren Fassungen zu
On the Duty of Civil Disobedience umtiteln|umgetitelt erschien.
Sie beeinflusste w:Mahatma Gandhi|Mahatma Gandhi und bildete die Grundlage für seine Bewegung des passiver Widerstand|passiven Widerstands in Südafrika und Indien sowie, später, für die antirassistische Bürgerrechtsbewegung in den Vereinigte Staaten von Amerika|Vereinigten Staaten von Amerika der 1950er und 1960er Jahre zur Durchsetzung ihrer politischen Forderungen, die auf die Abschaffung der seinerzeit gesetzlich festgeschriebenen Diskriminierung der afroamerikanischen Bevölkerung in den Südstaaten zielten.
Beispiele
• „[…] Sardar, Führer, nennt man ihn seit etwa 20 Jahren, als er mit der erfolgreichen Inszenierung der Steuerverweigerungskampagne von Bardoli
• „1940 rief
• „
• „Es opponierten
::▷ prominente westdeutsche Staatsrechtler und Soziologen (wie die Professoren ) und 92 Bürger der Stadt Dörningheim am Main, die ihrem Bürgermeister
‚zivilen Ungehorsam‘ androhten;
::[…].“
• „Wer
‚zivilen Ungehorsam‘ leiste, übertrete auch ‚bewußt und vorsätzlich‘ Gesetze, die er für unrechtmäßig halte, und ‚nimmt die dafür vorgesehene Strafe bereitwillig auf sich‘.“
•
„Ziviler Ungehorsam ist ‚ein die Schranken der Legalität überschreitender Protest gegen ein Gesetz oder eine andere autoritative Maßnahme, das heißt gegen eine Politik‘, die von Repräsentanten einer Mehrheit des Volkes beschlossen worden ist. […] Auf den Einwand, im
zivilen Ungehorsam artikuliere sich eine arrogante moralisierende Minderheit, die sich über die Prinzipien der demokratischen Legalität hinwegsetze, eine Gruppe, ‚die sich ihre Legitimation selbst formuliere und … beanspruche, selbst den Ausnahmezustand zu definieren, in welchem es ihr angemessen erscheint, den alten Verfassungskonsens durch einen neuen zu ersetzen‘ (Oberreuter), läßt sich – nach Preuß – lediglich erwidern, daß die im Machtbesitz befindlichen Beauftragten der Mehrheit über ‚eine überlegale Prämie auf den legalen Machtbesitz‘ (Schmitt) verfügen, zu dessen Kompensation die Minderheit – neben den in der Verfassung vorgesehenen Schutz- und Oppositionsrechten auch
zivilen Ungehorsam in Anspruch nehmen darf. […]
Ziviler Ungehorsam bedeutet daher auch nicht notwendig ‚Mißachtung eines (imaginären) Mehrheitswillens‘, zumal die Legitimität von Regierung und Parlamentsmehrheit als solche von ihm nicht bestritten wird. Wer
zivilen Ungehorsam leistet, bestreitet lediglich, daß korrekt zustandegekommene Entscheidungen ‚inhaltlich eine Qualität haben, die für die Betroffenen akzeptabel ist und durch den Hinweis auf die absolvierten demokratischen Verfahren plausibel gemacht werden kann‘.“
• „Im Inland unterstützten die Grünen die Koordinationsstelle für
zivilen Ungehorsam in Kassel, das Anti-Atom-Büro sowie die Wehrdienstverweigerungsaktionen.“
[ | Literaturnachweis: Rudi Kilgus - Die üppigen Finanzen der Grünen .]
• „Auch im Westen demonstrieren Bürger geringes Vertrauen in Moral und Kompetenz der politischen Eliten. Auch hier gibt es eine zunehmende Sensibilität gegenüber dem Machtmißbrauch von Exekutivorganen. Und auch hier beobachten wir eine wachsende Bereitschaft, an Demonstrationen oder Aktionen des
zivilen Ungehorsams teilzunehmen oder sich in Bürgerinitiativen zu organisieren.“
• „Es wäre gut, wenn nach den Wahlen am 18. März nicht gedacht würde, jetzt sei alles getan. Es wäre schlecht, wenn die plötzlich dynamisch und aktiv gewordenen Demonstranten in alte Lethargie zurückfielen. Weil das wieder ein guter Nährboden wäre: für das Wachsen eines neuen autoritären Staates. Demokratie muß mensch täglich ausüben, sonst verliert mensch die Übung.
Ziviler Ungehorsam ist eine bekannte Größe, und eine gefürchtete.“
[ | Literaturnachweis: Susanne Rummel - Quo Vadis Lipsia? .]
• „An die Protestkultur von aber reichen sie nicht heran. Keine andere Organisation hat über Jahrzehnte auf so originelle Weise gezeigt, wie effektiv
ziviler Ungehorsam wirken kann.“
[ | Literaturnachweis: Olaf Preuß - Urzelle des Protests .]
• „Der größte Naziaufmarsch Europas – für die sächsische Justiz eine schützenswerte Veranstaltung. Dies zeigt, dass auch in Demokratien
ziviler Ungehorsam angebracht ist ([…]). Das Bündnis ‚Nazifrei‘ ruft deutschlandweit dazu auf, am 19. Februar in die sächsische Landeshauptstadt zu reisen, um sich dem Ungeist von Dresden friedlich und gewaltfrei in den Weg zu stellen.“
• „Wie weit darf
ziviler Ungehorsam fürs Klima gehen?“
• „Aktionen des
zivilen Ungehorsams sorgen zwar für Aufmerksamkeit, sind aber umstritten.“
• „Manfred Laumann und seine Frau Anna werden
zivilen Ungehorsam üben.“
Charakteristische Wortkombinationen
•
zivilen Ungehorsam leisten
Worttrennung
zi·vi·ler Un·ge·hor·sam,
kein Plural
Quelle: Wiktionary
Lizenz: Creative Commons Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported